Aus dem Leben gegriffen

Qualitätsdefizite bei Stellenanbietern

Von Bewerbern wird verlangt, dass sie dem Stellenanbieter akkurate und sorgfältig zusammengestellte Unterlagen und Angaben übermitteln. Für die Stellenofferten der Stellenanbieter scheint dies nicht unbedingt zu gelten. Bei manchen Stellenangeboten muss man sich fragen, ob die Stellenanbieter wissen, was sie tun.

Fachkräfte und Kenntnisse

Eine bekannte Personalvermittlungsfirma sandte Bewerbern für eine Stelle im IT-Bereich als tabellarischen Fragebogen eine xls-Datei - also im Dateiformat eines namhaften Software-Herstellers - per E-Mail zu, mit der Bitte, das Ganze ausgefüllt zurückzusenden. Was da übermittelt wurde, ließ darauf schließen, dass die Personalvermittlungsfirma wenig Sachverstand bezüglich IT hatte und dass die Entwicklung des Fragebogens mit weniger als Standard-Office-Anwendungskenntnissen stattgefunden haben musste, obwohl bei Bürojobs und bei bürobezogenen IT-Jobs in der Regel gute bis sehr gute Office-Anwendungskenntnisse verlangt werden. Der Dateifragebogen musste von einer IT-Fachkraft als Beleidigung aufgefasst werden.

Mein Angebot, zur Optimierung des Fragebogens und seiner Auswertung beizutragen, fand bei der Personalvermittlungsfirma kein Interesse.

Vorstellungsgespräch kurios

Auf meine Bewerbung als Architekt für Immobilienprojekte in Deutschland und Südeuropa bei einer Unternehmensberatung erhielt ich einen Anruf zwecks Vereinbarung eines Termins für ein Vorstellungsgespräch am nächsten Tag in der ca. 50 km entfernten Kleinstadt. Zur Auswahl stand morgens oder nachmittags, sodass ich mich für morgens 8 Uhr entschied, worauf ich mehrfach gefragt wurde, ob mir dies bei der damit verbundenen Entfernung wirklich recht sei. Also fragte ich nach, ob es meinem Gesprächspartner vielleicht zu früh sei, und bekam zur Antwort, dass er sowieso immer schon ab 7 Uhr im Büro sei. Zudem erkundigte ich mich, ob ich irgendwelche Unterlagen mitbringen solle, was verneint wurde.

Ich traf frühzeitig an der Zieladresse ein, konnte somit die vergilbten Aushänge in den Schaukästen neben dem Eingang betrachten und stellte fest, dass es bei den vorhandenen Klingeln keine Klingel mit Beschriftung der aufzusuchenden Firma gab, sodass ich auf Verdacht eine unbeschriftete Klingel mit Gegensprechfunktion betätigte.

Nach dem 3. Klingeln öffnete eine Person, die vermutlich der Hausmeister oder das Sicherheitspersonal war, aber nichts von meinem Termin, der für 5 Minuten später anberaumt war, wusste. Die Person erkundigte sich bei einem Mitarbeiter, wie zu verfahren sei, woraufhin ich eingelassen wurde und auf mein Vorstellungsgespräch warten sollte.

Nach 8 Uhr mit ca. 5 Minuten Verspätung erschien mein telefonischer Gesprächspartner vom Vortag, der immer schon ab 7 Uhr im Büro ist, und erklärte mir, dass ich noch ein wenig Geduld haben müsse, da er sich erst mit dem Geschäftsführer in Verbindung setzen müsse, weil dieser zugegen zu sein habe. Ich fragte mich, ob dies nicht am Vortag hätte geschehen sollen. Von der Wartezone aus fiel mein Blick auf ein großformatiges, sehr ausgeblichenes Poster, das die Zusammenarbeit mit einer namhaften Modefirma darstellte, und auf mehrere nicht besetzte Computerarbeitsplätze.

Nach einiger Zeit erschien der Geschäftsführer unrasiert, mit schmierigem Haar sowie mit 2 Personen im Schlepptau und fragte unfreundlich einen Mitarbeiter nach Kaffee, sodass ich mich fragte, ob der Geschäftsführer gerade erst aufgestanden oder soeben von einer Party geholt worden sei.

Das Vorstellungsgespräch wurde vom Geschäftsführer geleitet, mein telefonischer Gesprächspartner blieb derweil stumm. Ich wurde gefragt, ob ich Entwurfsbeispiele parat hätte, was ich mit Hinweis auf das am Vortag geführte Telefonat und die Antwort zu meiner Frage bezüglich Unterlagen verneinte. Mir wurden Fragen mit einem provokanten, fast aggressiven Unterton gestellt, sodass ich kurz davor war vorzuschlagen, das Gespräch zu beenden. Da wurde meine Gehaltsvorstellung für eine allumfassende Architektentätigkeit abgefragt, noch bevor geklärt war, ob die Unternehmensberatung die entsprechende Berufshaftpflichtversicherung und Software für CAD, Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung, Projektmanagement etc. zur Verfügung stellen kann.

Das Gespräch kam kurz nach der Gehaltsfrage zum Ende ohne die offenen Punkte geklärt zu haben.

Und mir wurde klar, dass ich mich bei einer Unternehmensberatung beworben hatte, die hinsichtlich ihrer Repräsentation von mir noch hätte beraten werden können.

Groteske Arbeitgeber-Vorstellung Nr. 1

Nach einer Bewerbung auf eine Architektenstelle stellte sich beim Vorstellungsgespräch heraus, dass der Stellenanbieter an mir interessiert schien, weil ich im Vergleich zu den Mitbewerbern zusätzliche Qualifikationen aufwies, nämlich als Webprogrammierer. Die Firma wollte sich gern von mir ihre Website überarbeiten lassen; außerdem sollte ich einem Mitbewerber, der für die Architektenstelle neu eingestellt werden sollte, mit meinen Architektenkenntnissen zuarbeiten.

Dennoch war ich nach den Vorstellungen des Arbeitgebers nur gut genug für eine geringer qualifizierte Tätigkeit bei geringerer Bezahlung im Vergleich zu dem neu einzustellenden Mitbewerber und bei einem zweimonatigen Einstieg als Praktikant - im Alter von 42 Jahren - mit finanzieller Förderung durch die Arbeitsagentur.

Mag sein, dass einer der Mitbewerber geeigneter für die offerierte Stelle war, aber dass jemand, der gute berufsspezifische Qualifikationen aufweisen kann und zusätzliche, verwertbare Qualifikationen mitbringt, als Praktikant einsteigen und anschließend für weitaus weniger Geld arbeiten soll als ein Mitbewerber, zeugt von schlechtem Stil und Mitnahmementalität, insbesondere wenn zuvor mehrfach betont worden war, wie gut die Firma wirtschaftlich dastehe.

Nachdem die Arbeitsagentur – auf Grund vieler negativer Erfahrungen mit Angeboten von Arbeitgebern für Langzeitpraktika - nur 2 Wochen für ein Praktikum zugestehen wollte und eine anschließende Mindestbeschäftigungsdauer forderte, erhielt ich von dem Stellenanbieter eine Absage.

Das legte die Vermutung nahe, dass eine Beschäftigung über die Praktikumszeit hinaus nicht wirklich vorgesehen war, sondern in dem Zeitraum vorwiegend die Website der Firma kostengünstig verbessert werden sollte.

Und im Übrigen war die Frage von der Geschäftsführung nach meinem Sternzeichen überflüssig, da die Antwort aus dem Geburtsdatum in den vorliegenden Bewerbungsunterlagen hervorging. Kurzum: Der Stellenanbieter bot keine gute Vorstellung, sondern groteskes Laientheater.

Groteske Arbeitgeber-Vorstellung Nr. 2

Für die Filiale einer Computerfachhandelskette wurden im Jahr 2006 ein Mitarbeiter (MA) und ein Filialleiter (FL) gesucht.

Direkt vor dem Vorstellungsgespräch war in der Filiale vor Ort ein Fragebogen auszufüllen. Gefragt wurde unter anderem, seit wann und wo man seinen Wohnsitz habe, wie lange und wo man seinen vorigen Wohnsitz gehabt habe, ob man Sozialleistungen beziehe und, wenn ja, woher und wie viel. Zu guter Letzt wurde die Bereitschaft zu einer ärztlichen Untersuchung abgefragt und ob man bereit sei, den Arzt von der ärztlichen Schweigepflicht zu entbinden. Die Befreiung von der ärztlichen Schweigepflicht wurde nicht beschränkt auf Informationen, die für die zu besetzende Stelle relevant gewesen wären und hätte somit ganz allgemein gegolten.

Das Vorstellungsgespräch offenbarte die Vorstellungen des Arbeitgebers. Angeboten wurde ein auf ein halbes Jahr befristeter Arbeitsvertrag mit einer Probezeit von einem halben Jahr bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von ca. 50 Stunden montags bis samstags. Die monatliche Brutto-Vergütung sollte bei 1.400 € (MA) bzw. 1.700 € (FL) zuzüglich einer Mitarbeiter bezogenen Verkaufsprovision in Höhe von 2% liegen, wobei man bei Krankheit oder Urlaub sowie als Filialleiter wegen der Wahrnehmung zusätzlicher Aufgaben zwangsläufig Umsatzeinbußen erlitten und eine geringere monatliche Provision erzielt hätte. Da es bei der Filiale extreme Umsatzschwankungen, die von äußeren Einflüssen abhingen, gab, wäre auch die eigene Provision unabhängig vom persönlichen Einsatz extrem unterschiedlich ausgefallen und hätte weniger als 100 € monatlich betragen können.

Vorab war - ohne ärztliche Untersuchung - von den Bewerbern unentgeltlich ein bis zu 10 Stunden dauernder Probearbeitstag in der Filiale zu leisten.

Arbeitsvertrag mit Glücksspielfaktor

Nach dem Studium im Jahr 1998 einen Job als Architekt zu finden erwies sich als schwierig, sodass ich mich, da seit kurzem mal wieder arbeitslos, auf eine Stelle als Vorarbeiter bei einem Bauunternehmen bewarb.

Es stellte sich heraus, dass der Inhaber des Bauunternehmens zusätzlich ein Bauingenieurbüro betrieb und überraschenderweise erhielt ich einen zweiteiligen Vertrag.

Vorwiegend wurde ich bei dem Bauunternehmen als Bauleiterassistent für 100 Stunden im Monat mit einer Festvergütung eingestellt und zusätzlich wurde ich für Projekte des Ingenieurbüros auf Honorarbasis engagiert, wobei für jede Projekttätigkeit das Honorar einzeln zu vereinbaren war und Anzahl und Aufwand der Projekte unvorhersehbar waren. Bei einer vertraglich vereinbarten 40-Stunden-Woche bedeutete dies, dass für 58% meiner Arbeit ein festes Einkommen vorhanden war und 42% eine Art Glücksspiel darstellten.

Da der Arbeitgeber sich seinen Vorteil zu sichern wusste und ich vor der Arbeitsaufnahme bei ihm arbeitslos gemeldet war, ließ er sich gleich noch vom Arbeitsamt einen Lohnkostenzuschuss für meine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt bewilligen.

Dies hatte für mich den Vorteil, dass sich mein Glücksspiel-Anteil reduzierte, weil vom Arbeitgeber beim Arbeitsamt nicht nur die 58% meines Festgehaltes, sondern entsprechende 100% angegeben worden waren, sodass mir unabhängig von der 42-prozentigen zufallsabhängigen Projekttätigkeit der beim Arbeitsamt angegebene 100-prozentige Betrag zustand, wenn der Arbeitgeber die Zuschüsse kassierte.

Arbeitsvertrag befristet

Zeitlich befristete Arbeitsverträge mit der Option auf einen Anschlussvertrag können an den Nerven zehren.

Das bedeutet für den aktuellen Job, dass man sich innerlich bis zu einem gewissen Grad bereits von dem Job verabschiedet, aber andererseits doch auf den bequemen Fortlauf hofft. Man verspürt einen ständigen Druck sich unter Beweis stellen zu müssen, um die Chancen für einen Anschlussvertrag zu maximieren, zudem muss man sich rechtzeitig um Jobalternativen kümmern und darf die Meldefrist bei der Arbeitsagentur nicht aus den Augen verlieren.

Bei meinen Erfahrungen mit befristeten Verträgen war erst relativ spät Gewissheit über den weiteren Verlauf zu erlangen, sodass ich insbesondere bei Verträgen mit einer kurzen Laufzeit nicht erst zum Vertragsende hin parallel zur Arbeit den Bewerbungsaufwand betreiben konnte.

Bei einem Arbeitgeber erhielt ich auf Nachfrage vor Ablauf des Vertrages vorerst eine mündliche Zusage unter vier Augen, also ohne Zeugen, dass mit einem weiteren befristeten Vertrag zu rechnen sei. Die schriftliche Ausfertigung des neuen Vertrags lag mir dann eine Woche vor Ablauf des alten Vertrags vor.

Beim Folgevertrag wollte ich frühzeitiger und vor dem Urlaubsantritt des Arbeitgebers Gewissheit haben, zumal gemäß Gesetzgebung kein weiterer befristeter Vertrag, sondern ein unbefristeter Vertrag hätte vereinbart werden müssen. Alle Bemühungen scheiterten und ich erhielt erst nach seinem Urlaub ca. zweieinhalb Wochen vor Vertragsende eine mündliche Zusicherung und wie im Vorjahr eine Woche vor Vertragsablauf einen neuen schriftlichen Vertrag.

Erstaunlicherweise erhielt ich wieder einen zeitlich befristeten Vertrag, obwohl es gesetzlich nicht zulässig war. Eine Klage vor Gericht mag vielleicht zum Recht verhelfen - so die Überlegung - bietet aber persönliche Nachteile, da man später oft auf ein gutes Arbeitszeugnis angewiesen ist. In diesem Fall hatte es beim Arbeitgeber bereits kurze Zeit zuvor betriebsbedingte Kündigungen gegeben, sodass mir im Falle einer Klage auf einen unbefristeten Vertrag im Anschluss die betriebsbedingte Kündigung gewiss sein konnte.

Der dritte befristete Vertrag endete dann vorzeitig, da betriebsbedingt wieder mehreren Personen gekündigt wurde, diesmal auch mir; ich erhielt ein ziemlich gutes Arbeitszeugnis.

Verantwortung

Ein Arbeitnehmer, der nach dem Diplom eine staatliche Berufsanerkennung und langjährige Berufserfahrung mit vielfältigen Schwerpunkten vorzuweisen hatte, hatte eine auf ein Jahr befristete Stelle bei einer Einrichtung zur Betreuung und Unterbringung schwer erziehbarer Jugendlicher angenommen.

Der Arbeitgeber bot offiziell eine 24-Stunden-Betreuung der Jugendgruppe an, hatte 5 Personen, teils in Vollzeit, teils in Teilzeit beschäftigt, sodass sich rein rechnerisch 4,5 Mitarbeiter ergaben.

Vor Vertragsunterzeichnung war Folgendes nicht ersichtlich: 1 Mitarbeiter stand wegen berufsbegleitender Weiterqualifizierung nur eingeschränkt zur Verfügung, 2 andere Mitarbeiter waren wegen Einzelbetreuung von Jugendlichen selten für die Gruppenbetreuung verfügbar. So konnte mathematisch betrachtet eine 24-Stunden-Gruppenbetreuung, die auch noch Urlaubs- und Ausfallzeiten durch Krankheit u. a. berücksichtigt, nur mit zunehmender Überstundenzahl ohne Möglichkeit des Überstundenausgleichs funktionieren.

Es stellte sich heraus, dass es wegen einer chaotischen Dienstzeitenplanung zudem auch kurzfristig neu gestaltete Dienstpläne gab, die zur Folge hatten, dass der Mitarbeiter als neuer und befristeter Mitarbeiter nicht nur die unbeliebten Schichtzeiten erhielt, sondern auch mehrfach innerhalb weniger Stunden zur Arbeit zu erscheinen hatte, was der Arbeitgeber mitzuverantworten hatte.

Doch schlimmer geht immer.

Die Kollegen befürworteten für die minderjährigen Jugendlichen einen Jugendstammtisch in der Kneipe schräg gegenüber und führten ein Beschwerdebuch ein, in dem jeder Jugendliche die Pädagogen und Betreuer beurteilen konnte, wobei der Jugendliche natürlich die Mitarbeiter, die ihm nicht alles durchgehen ließen, mit einer negativen Beurteilung versah, was bei der Auswertung jedoch nicht berücksichtigt wurde.

Irgendwann wurde ein Praktikant eingestellt, der für seine staatliche Anerkennung nach dem Studium ein Praxisjahr absolvieren musste und von dem Mitarbeiter mit eingearbeitet werden sollte.

Einige Zeit vor Ablauf seines befristeten Vertrags sollte der Mitarbeiter mit dem Team Vorstellungsgespräche führen und erfuhr so indirekt und unvorbereitet, dass die Stelle, die er zur Zeit begleitete, wieder besetzt werden sollte, ohne dass er darüber informiert worden wäre. Stattdessen sollte er mit dem Team seinen möglichen Nachfolger auswählen, wobei offen blieb, ob er bei der Stellenbesetzung mit berücksichtigt werden würde. Darauf angesprochen bot die Stellenleitung dem Mitarbeiter an, seine Bewerbungsunterlagen einzureichen und beraumte anschließend ein formelles Vorstellungsgespräch an – obwohl der Mitarbeiter bereits nahezu ein Jahr für den Arbeitgeber tätig und ihm somit ausreichend bekannt gewesen war.

Die Stelle wurde mit dem Praktikanten besetzt, den der erfahrene Mitarbeiter einzuarbeiten gehabt hatte.

Von einem Arbeitgeber im sozialen Bereich sollte eine würdigere und verantwortungsvollere Handlungsweise erwartet werden können.

Kurzarbeit mit Lohnverzicht

Ein Arbeitgeber, Inhaber einer Anwaltskanzlei, sprach seinen Mitarbeiter darauf an, dass die Auftragslage so schlecht sei, dass er vorübergehend nur noch mit verkürzter Arbeitszeit und entsprechend gekürztem Gehalt von ihm beschäftigt werden könne, was der Mitarbeiter mangels Alternative akzeptierte.

Die vorübergehende Kurzarbeit mit Lohnverzicht dauerte immer länger an, sodass der Arbeitnehmer eine betriebsbedingte Kündigung befürchten musste.

Mit jedem weiteren Monat Lohnverzicht verminderte sich die Höhe seines Anspruchs auf Arbeitslosengeld, da von der Arbeitsagentur zur Berechnung die letzten Monate des Einkommens zu Grunde gelegt werden würden.

Der Arbeitgeber kam ebenso wenig wie sein Steuerbüro auf die Idee, für den Mitarbeiter Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur anzumelden, um sowohl beim Gehalt als auch beim Anspruch auf Arbeitslosengeld die finanziellen Nachteile des Mitarbeiters möglichst gering zu halten.

Der private repräsentative Hausbau des Arbeitgebers konnte trotz andauernd schlechter Auftragslage von ihm weiter finanziert werden und schritt von Monat zu Monat voran.

Der Arbeitnehmer hat inzwischen den Arbeitgeber gewechselt.

Zahlungsmoral

Einer meiner Arbeitgeber hatte scheinbar regelmäßige Zahlungsschwierigkeiten, was Löhne und Gehälter seiner Mitarbeiter betraf, auch wenn das Geld für seinen Daimler immer reichte.

Als das Geld immer knapper wurde, wurde den Mitarbeitern der GmbH kurz vor Weihnachten verkündet, dass die offenen Löhne der letzten zwei Monate nicht gezahlt werden könnten - Frohe Festtage!

Ich selbst musste fast vom ersten Monat an permanent darauf drängen, mein längst überfälliges Gehalt oder ein noch offenes Restgehalt ausgezahlt zu bekommen, obwohl es vom Arbeitsamt an den Arbeitgeber monatlich einen so genannten Eingliederungszuschuss für mein Gehalt gab.

Irgendwann konnte das Büro in Citylage nicht mehr bezahlt werden, sodass ein Umzug in das Hinterzimmer eines Hotels, bei dem der Arbeitgeber Teilhaber oder Inhaber war, stattfand.

Obwohl ich schon seit fast zwei Monaten von meinem Ersparten leben musste, weil mein Gehalt nicht gezahlt worden war, erschien ich nicht nur am Arbeitsplatz, sondern half beim packen der Umzugskartons und dem Transport, weil ich vom Arbeitgeber nach Schilderung meiner Finanznöte 200 DM Barauszahlung von seinem Privatvermögen leihweise in Aussicht gestellt bekommen hatte. Letztendlich erhielt ich nur die Hälfte des Geldes, weil er argwöhnte, dass ich ihm die Leihgabe nicht zurückerstatten würde, und erhielt nicht einmal ein Dankeschön für die Hilfe bei einer Tätigkeit für die ich nicht unter Vertrag stand. Stattdessen entließ mich der Arbeitgeber in den verspäteten Feierabend mit der Bemerkung, dass er beim Ausladen am Zielort ohne meine Hilfe zurechtkäme - da ist er tatsächlich davon ausgegangen, dass ich ihm unter den geschilderten Bedingungen noch weiter zur Verfügung stehen könnte.

Da die Insolvenz der GmbH unumgänglich war, konnte ich mich bald darauf bei der Insolvenzgeldkasse des Arbeitsamtes melden, um von dort die offenen Gehaltszahlungen erstattet zu bekommen, was erstaunlich gut klappte.

In diesem Zusammenhang hätte ich gern gewusst, wie hoch bei zunehmender Zahl der Firmeninsolvenzen der Anteil der Auszahlungen der Insolvenzgeldkasse des Arbeitsamtes im Vergleich zu den Auszahlungen an Arbeitslose ist.

Das Arbeitsamt hat von den 12 Monaten, die ich bei diesem Arbeitgeber war, mein Gehalt die ersten 6 Monate nicht unerheblich bezuschusst und für die letzten 3 Monate mit der Insolvenzgeldkasse komplett übernommen, somit grob geschätzt 50% meines Jahresgehalts. Zum Glück fand ich sofort einen neuen Job, sonst hätte das Arbeitsamt mich mit Arbeitslosengeld gleich weiter bezahlen können.

Ich bat das Arbeitsamt zu prüfen, inwiefern mein ehemaliger Arbeitgeber den Eingliederungszuschuss für mich zu Unrecht erhalten hatte und ob die Zahlungen zurückzufordern seien, erhielt diesbezüglich aber nur eine Empfangsbestätigung meines Schreibens.

Bevor der Daimler des GmbH-Arbeitgebers gepfändet werden konnte, wurde der Wagen Gerüchten zufolge an einen Mittelsmann veräußert, um ihn anschließend an die Person des Arbeitgebers weiter zu verkaufen. Da die Person des Arbeitgebers auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens mit dem Daimler unterwegs war, dürfte an dem Gerücht etwas Wahres sein.

Warum habe ich mich monatelang dem Stress ausgeliefert, nicht zu wissen, wann ich wie viel von meinem Gehalt erhalten würde?

Sozialversicherungsbetrug

Ein Arbeitgeber, für den ich während des Jahrtausendwechsels arbeitete, führte monatelang den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmeranteil für meinen Rentenversicherungsbeitrag nicht ab. Da bei mir als Architekt die Rentenversicherungsbeiträge nicht über die Krankenkasse, die fehlende Beiträge zeitnah anmahnt, abgerechnet wurden und mein Rentenversicherungsträger erst beim Jahresabschluss darauf aufmerksam wurde, wurde ich dann ziemlich spät vom Rentenversicherer um die Nachzahlung des inzwischen recht ansehnlichen Betrags gebeten.

Ich war ziemlich perplex, denn mein Arbeitgeber hatte die kompletten Sozialversicherungsbeiträge in den monatlichen Gehaltsabrechnungen aufgeführt gehabt, hatte seinen und meinen Anteil am Rentenversicherungsbeitrag für nahezu ein Jahr unterschlagen gehabt und nun sollte ich dafür bezahlen, sogar für den Arbeitgeberanteil aufkommen.

Ich verklagte meinen Arbeitgeber beim Arbeitsgericht und erhielt in seiner Abwesenheit ein rechtskräftiges und vollstreckbares Urteil, das meinen Anspruch auf die nicht gezahlten Gelder bekräftigte.

Auf die Vollstreckung des Urteils musste ich jedoch verzichten, da das Unternehmen insolvent war und mir dann zusätzlich zum finanziellen Schaden noch Kosten für die versuchte, aber erfolglose Vollstreckung entstanden wären; die mir bereits entstandenen Anwaltskosten waren schon genug.

Es bedurfte der Unterstützung guter Freunde und einer über eineinhalb Jahre andauernden schriftlichen Auseinandersetzung mit dem Rentenversicherer, bis dieser von der Zahlungsaufforderung mir gegenüber absah und zugleich darauf hinwies, dass sich mein Rentenanspruch entsprechend verringern werde.

Zusätzlich war ein Jahr nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ein erneuter Schriftwechsel mit der Insolvenzgeldkasse des Arbeitsamtes hinsichtlich der Rentenversicherungsbeiträge erforderlich, der dadurch erschwert wurde, dass mein ehemaliger Arbeitgeber seiner gesetzlichen Verpflichtung, mir eine Verdienstbescheinigung auszustellen, nicht nachkam. Dank meines Urteils vom Arbeitsgericht konnte die Angelegenheit dennoch geregelt werden.

Allerdings hatte das Arbeitsamt meinen Rentenversicherer ohne mich darüber zu informieren so frühzeitig über die Erstattung der Rentenversicherungsbeiträge für den Zeitraum, in dem ich Insolvenzgeld erhalten hatte, informiert, dass der Rentenversicherer mich überraschend wegen ausstehender Zahlungen anmahnte, als mir, dem Antragsteller, noch gar kein endgültiger Bescheid über die gewährten Zahlungen vom Arbeitsamt vorlag.

Da mein ehemaliger Arbeitgeber ca. 6.000 DM unterschlagen hatte, stellte ich bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen ihn. Es wurde jedoch - trotz leerer Rentenkassen - kein Strafverfahren eingeleitet, quasi wegen Geringfügigkeit. Es war nämlich ein weiteres Verfahren gegen meinen ehemaligen Arbeitgeber wegen einer schwerwiegenderen Straftat anhängig, sodass die Staatsanwalt den §154 der Strafprozessordnung vermutlich zur Arbeitserleichterung nutzte, weil die Strafe, die der Beschuldigte in meinem Verfahren zu erwarten gehabt hätte gegenüber der zu erwartenden Strafe in dem anderen Verfahren nicht beträchtlich ins Gewicht gefallen wäre.

Das heißt letztendlich wohl, dass jemand, der mehrere Gesetzesverstöße begangen hat, nur mit einer Verurteilung für die besonders gravierenden Taten rechnen kann, und dass seine Unverfrorenheit belohnt wird, indem die weniger gravierenden Taten von der Justiz vernachlässigt werden.

Legal, illegal, shit-egal?

Ein Arbeitnehmer, der ein Diplom und mehrere Jahre Berufserfahrung vorweisen konnte, hatte eine auf ein Jahr befristete Teilzeitstelle bei einer Einrichtung zur Betreuung und Unterbringung von suchtkranken Personen angenommen.

Der Arbeitsvertrag kam zustande, weil der Arbeitnehmer sich darauf einließ, als geringer qualifizierter Mitarbeiter ohne Studienabschluss und mit entsprechend geringerem Gehalt eingestellt zu werden. Zudem musste er eine Vertragsklausel akzeptieren, die eine Klage auf das zustehende höhere Gehalt unterband.

Der Neue bekam regelmäßig die unbeliebten Dienstzeiten am Freitagabend und Montagmorgen, sodass die Kollegen ein möglichst langes Wochenende haben konnten.

Im Dienstplan wurden für den Mitarbeiter permanent mehr Stunden eingetragen als vertraglich vereinbart waren, sodass der Mitarbeiter jeden Monat an seine vertraglich vereinbarten Arbeitsstunden erinnern musste und der Dienstplan regelmäßig abzuändern war.

Eine Arbeitsanweisung verlangte, dass der Mitarbeiter über die geleisteten Arbeitsstunden genau Buch führte. Der direkte Vorgesetzte ließ durchblicken, dass er eine genaue Buchführung nicht wünsche, da er nämlich die Stundenzettel, aus denen auch die Überstunden hervorgingen, abzuzeichnen hatte.

Als der Betriebsrat erfuhr, dass die Pausenzeiten von den Teilzeitbeschäftigten nicht wahrgenommen werden konnten, weil der Dienstplan keine Pausenzeiten berücksichtigte, wurde die Stellenleitung aufgefordert Abhilfe zu schaffen. Daraufhin wurde zwar zähneknirschend der offizielle Dienstplan geändert, zugleich wurde aber der Mitarbeiter vom Vorgesetzten aufgefordert, nun nur bedingt Dienst nach Plan zu verrichten, um wie bisher ohne Pause zur Verfügung zu stehen.

Nach einiger Zeit wurde ein Praktikant eingestellt, der für seine staatliche Anerkennung nach dem Studium ein Praxisjahr zu absolvieren hatte und von dem berufserfahrenen Mitarbeiter einzuarbeiten war. Als sich der Praktikant mit einem übergeordneten Kollegen auch privat gut verstand, durfte er teilweise dem staatlich anerkannten, professionellen, berufserfahrenen Mitarbeiter Anweisungen erteilen.

Die Möglichkeiten der Realsatire waren damit noch nicht erschöpft.

Bei der zu betreuenden Klientel bestand zum Teil ein Suizidrisiko. Einer der langjährigen Mitarbeiter hatte den länger zurückliegenden Suizidfall eines Betreuten scheinbar noch nicht verarbeitet und schlug eines Tages vor, einen Termin für die Vertreibung böser Geister anzuberaumen und hierfür das Gebäude vorübergehend zu räumen. Es blieb beim Vorschlag.

Es hätte vielleicht auch anders kommen können, denn der langjährige Mitarbeiter schien nicht der einzige Mitarbeiter in der Einrichtung für suchtkranke Personen zu sein, der Shit konsumierte und Joints rauchte, wie für den befristet eingestellten Mitarbeiter gegen Ende seiner Mitarbeit aus einigen Mitarbeitergesprächen hervorging.

Als der erste befristete Vertrag des Mitarbeiters bei seinem Arbeitgeber auslief, wurde dem Mitarbeiter kurz vor Vertragsende in einem 4-Augen-Gespräch ohne Zeugen mündlich zugesichert, dass ein zweiter befristeter Vertrag abgeschlossen werde. Das neue schriftliche Vertragsexemplar erhielt der Mitarbeiter erst einige Wochen nach Ablauf des ersten Vertragsverhältnisses. Als dieser zweite befristete Vertrag auslief, erhielt der Mitarbeiter keinen neuen Vertrag, da im Falle der Weiterbeschäftigung ein unbefristeter Vertrag hätte abgeschlossen werden müssen. Stattdessen wurde der Praktikant fest eingestellt, obwohl er aus gesundheitlichen Gründen mehr Fehlzeiten als Anwesenheitszeiten gehabt hatte und das Praxisjahr nach wenigen Monaten abbrechen musste, sodass er keine staatliche Berufsanerkennung erlangt hatte.

Firmeninsolvenz

Insolvenzverfahren können beim Amtsgericht beantragt werden und sollten im nachfolgend beschriebenen Fall gemäß gesetzlicher Bestimmungen innerhalb von 3 Monaten beschieden werden.

Bei einem meiner Arbeitgeber stellten einige der Mitarbeiter einen Insolvenzantrag, nachdem etliche Monatslöhne nicht gezahlt worden waren. Für den Antrag war eine Mindestzahl von Mitarbeitern erforderlich sowie die Unterstützung einer Krankenversicherung, die die noch offenen Versicherungsbeiträge bestätigte. Erstaunlicherweise war nicht von jeder Krankenversicherung, bei der Beitragszahlungen offen waren, Unterstützung erhältlich.

Das Amtsgericht wies dem Unternehmen einen vorläufigen Insolvenzverwalter zu, der sich erst einmal einen Überblick über die Geschäfte und Finanzen der Firma verschaffen musste. Die Befugnisse des Geschäftsführers und Firmeninhabers wurden vorsorglich eingeschränkt.

Die Prüfung der Finanzverhältnisse zog sich hin, da es sich bei der Firma um ein Bauunternehmen handelte, bei dem üblicherweise den offenen Forderungen Gegenforderungen der Auftraggeber wegen mangelhafter Ausführung gegenüberstanden, sodass Klarheit über die Finanzlage nur durch Vergleiche zwischen den Vertragspartnern oder durch Gerichtsurteile zu erzielen war.

Das erste vorläufige Insolvenzverfahren wurde knapp ein Jahr nach Antragstellung mangels Masse vom Amtsgericht eingestellt.

Bald darauf gab es scheinbar neue Erkenntnisse über das Vermögen des Unternehmens, denn ein zweites vorläufiges Insolvenzverfahren wurde beantragt und eingeleitet. Diesmal wurde der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ein knappes halbes Jahr nach Antragstellung und somit etwa 20 Monate nach der ersten Antragstellung ebenfalls mangels Masse eingestellt.

Das heißt in beiden Fällen: Das Unternehmen war so pleite, dass die Kosten des Insolvenzverfahrens nicht vom Unternehmen hätten beglichen werden können, sodass kein Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Man musste also nur insolvent genug sein, um nicht als insolvent behandelt zu werden und die Firma offiziell weiter existieren lassen zu können.

Arbeitspapiere

Bei einem Arbeitgeber der Baubranche übernahm ich im Laufe der Zeit die Aufgaben der Finanzbuchhaltung und des Rechnungswesens sowie des Personalwesens und der Lohn- und Gehaltsabrechnung. Ich lernte dabei viel, zumal das Personalwesen im Bereich Bau einige Besonderheiten aufzuweisen hatte, und erhoffte mir dabei für die eigene Selbstständigkeit in ferner Zukunft sinnvolles Wissen zu erlangen.

Der Konkurs des Unternehmens war nicht aufzuhalten, bis schließlich alle Mitarbeiter außer mir entlassen waren. Der Arbeitgeber schikanierte etliche seiner ehemaligen Mitarbeiter, indem er sie auf die Ausfertigung und Überstellung der Arbeitspapiere besonders lange warten ließ, sodass ich für mein zu erwartendes Ausscheiden aus der Firma vorgewarnt war.

Ich ließ mir von meinem Arbeitgeber rechtzeitig ein vorläufiges Arbeitszeugnis ausstellen, bereitete ihm alle erforderlichen Unterlagen unterschriftsreif vor und bereitete parallel dazu insgeheim sämtliche Unterlagen, für die ich unterschriftenberechtigt war und die meine Person betrafen, für die Meldungen zur Sozialversicherung und für das Arbeitsamt so vor, dass ich sie nur noch versenden können musste und später mit möglichst wenig Problemen ausscheiden konnte.

Das Unternehmen wurde schließlich einem Insolvenzverwalter unterstellt und mir wurde fristgerecht betriebsbedingt gekündigt.

Ich forderte umgehend meinen Arbeitgeber auf, mir meine Arbeitspapiere und die Arbeitsbestätigung für das Arbeitsamt auszuhändigen, was wie befürchtet trotz wiederholter Aufforderung, auch per Einschreiben, unterblieb. Der Arbeitgeber behauptete, alle erforderlichen Unterlagen seiner Steuerberaterin übermittelt zu haben, was diese dementierte. Der Insolvenzverwalter half ebenfalls nicht weiter, sondern ließ sich vom Arbeitgeber hinhalten.

Vorsorglich hatte ich mir bereits selbst meine Lohnsteuerkarte ausgehändigt und im Austausch eine Kopie und Empfangsbestätigung in den Akten des Arbeitgebers hinterlassen, wie es sonst von mir bei den anderen ausgeschiedenen Mitarbeitern gehandhabt worden war.

Da ich noch unter Vertrag stand, nutzte ich meine bisher vorhandenen und nicht widerrufenen Befugnisse, um für mich wie bei den anderen ausgeschiedenen Mitarbeitern die nötigen Sozialversicherungsmeldungen vorzunehmen. So erwirkte ich die entsprechenden Bestätigungen der Sozialversicherer und die notwendige Arbeitsbestätigung für die Arbeitsagentur.

Nach einer Klage beim Arbeitsgericht mit einem vollstreckungsfähigen Urteil zur Aushändigung meiner Arbeitspapiere hätte ich zwar einen Gerichtsvollzieher beauftragen können, hätte aber die Kosten für die Vollstreckung selbst tragen müssen, da die Firma des Arbeitgebers zahlungsunfähig war, und würde ansonsten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch heute auf meine Lohnsteuerkarte wie auf alle anderen Arbeitspapiere warten.

Kirche, Arbeit und Vertrauen

Beim Arbeitsamt ausgeschrieben war eine unbefristete Vollzeitstelle bei einem kirchlichen Arbeitgeber, das Vorstellungsgespräch wurde bezogen auf eine Vollzeitstelle geführt und war für den Bewerber erfolgreich, doch dann sollte der Arbeitsvertrag plötzlich mit einer geringeren Arbeitszeit statt Vollzeit abgeschlossen werden. Nicht wissend, ob er damit den Job riskierte, bestand der Bewerber auf Vollzeit und erhielt dann den richtigen Vertrag.

Der Vertrag über das Arbeitsverhältnis wurde mit dem Dachverband geschlossen, der das Direktivrecht und eine Fürsorgepflicht hatte und bei dem die kirchliche Sicherungsordnung galt, welche u. a. den Kündigungsschutz und Versetzungsmöglichkeiten innerhalb des Dachverbandes regelte. Der Arbeitsplatz bestand beim Träger, sozusagen einer Tochterfirma des Dachverbands, die Weisungsbefugnis besaß.

Das Büro beim Träger befand sich in einem älteren Gebäude ohne Wärmedämmung und war nicht mit einer Heizung ausgestattet, sodass auf Forderung durch den Mitarbeiter für die kälteren Monate ein Elektroradiator angeschlossen wurde.

Nach wenigen Jahren, als die Trägereinrichtung geschlossen werden sollte und die kirchliche Sicherungsordnung Kündigungen nicht gestattete, wurde den 4 Mitarbeitern in Aussicht gestellt, in einer neuen Einrichtung als Team weiter beschäftigt zu werden. Doch es kam anders und für jeden Mitarbeiter begann sich das Personalkarussell zwischen verschiedenen kirchlichen Einrichtungen zu drehen.

Ein Mitarbeiter ging nach 30 Jahren Arbeit für den kirchlichen Arbeitgeber wegen Mobbings durch Vorgesetzte vorzeitig in den Ruhestand, da er nicht mehr die Kraft aufbrachte, sich zu wehren.

Ein anderer langjähriger Mitarbeiter wurde einem Vorgesetzten zugeteilt, für den er zuvor schon einmal gearbeitet hatte, obwohl bekannt war, dass die beiden nicht gut miteinander auskamen.

Ein weiterer langjähriger Mitarbeiter war Mitglied der Mitarbeitervertretung und musste sich mit diesen besonderen Möglichkeiten seine neue Stelle erkämpfen.

Der vierte Mitarbeiter wurde vom Dachverband vorerst mit einer unzulässigen Kündigung bedacht und dann an einen neu gegründeten Träger, eine gemeinnützige GmbH (gGmbH), entliehen, wobei die Vorgesetzten sich zum Thema Leiharbeit scheinbar kaum Gedanken gemacht hatten. Wesentliche Punkte wie Direktivrecht, Fürsorgepflicht und Weisungsbefugnis blieben für den Mitarbeiter ungeklärt und waren verbindlich statt über Vorgesetzte nur über die Mitarbeitervertretung und mit Anwaltsberatung zu erfahren.

Der Mitarbeiter unterstand nun 2 Chefs, wobei der Chef der gGmbH ein Alkoholproblem hatte, das sich nicht nachweisen ließ, sodass Aussage gegen Aussage stand und dem Mitarbeiter die Kündigung in Aussicht gestellt wurde, obwohl dies auf Grund der kirchlichen Sicherungsordnung nicht zulässig war.

Danach versuchte man, dem Mitarbeiter eine Stelle mit reduzierter Arbeitszeit und reduziertem Einkommen anzubieten, was nur zulässig gewesen wäre, wenn im gesamten Dachverband keine Vollzeitstelle verfügbar gewesen wäre. Da dieser Nachweis nicht erbracht werden konnte, gab es auf Initiative des Mitarbeiters einen neuen Vertrag für die Vollzeitarbeit bei einem anderen Träger des Dachverbands. Doch bei diesem neuen Vertrag handelte es sich anders als beim bisherigen Arbeitsvertrag um einen befristeten, ohne den Mitarbeiter darüber in Kenntnis zu setzen, sodass der Vertrag mit Hilfe der Mitarbeitervertretung dahingehend korrigiert werden musste, dass sich die einjährige Befristung nur auf den Arbeitsplatz beim Träger aber nicht auf das Arbeitsverhältnis beim Dachverband bezog.

Als mit Ablauf der Befristung wieder ein Arbeitsplatz vertraglich zu vereinbaren war, legte der kirchliche Arbeitgeber erneut einen unzulässigen befristeten Vertrag für das Arbeitsverhältnis vor, der dann wie im Vorjahr korrigiert werden musste.

Ob sich die Verantwortlichen auf Arbeitgeberseite jemals Gedanken darüber gemacht haben, wie förderlich ihr Verhalten für ein Vertrauensverhältnis und den Ruf der Kirche bzw. ihrer Religion ist?

Kirche und ABM

Das Arbeitsamt hatte eine ABM-Stelle bei einem kirchlichen Arbeitgeber, befristet auf ein halbes Jahr, im Bereich schwer erziehbare Jugendliche angeboten, wobei eine Verlängerung des ABM-Vertrags in Aussicht stand.

Der neue ABM-Mitarbeiter sollte sich als Sozialpädagoge betätigen, erhielt aber für seine Arbeit kein Büro, sondern lediglich einen Tisch in einem Unterrichtsraum – also beste Voraussetzungen für eine vernünftige Arbeit mit vertraulichen Gesprächen, Schriftverkehr und Telekommunikation. Zusätzlich hatte der sozialpädagogische Mitarbeiter kurzfristig und mit fragwürdigen Vorbereitungsmöglichkeiten Lehrervertretungen zu übernehmen.

Der ABM-Mitarbeiter erhielt ca. 80% seines letzten Nettogehalts.

Die schwer erziehbaren Jugendlichen erhielten für die Teilnahme am Praxisteil Geld – das konnte je nach Einrichtung und Träger 600 DM bis 1200 DM sein. Mancher Jugendliche erhielt zusätzlich Wohngeld und mancher, der vor Teilnahme an der Maßnahme bereits einen Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben hatte, erhielt auch noch Arbeitslosengeld oder -hilfe. Für die Teilnahme am Unterricht erhielten die Jugendlichen kein Geld, weshalb sich die Fehlzeiten beim Theorieteil im Vergleich zum Praxisteil häuften.

So konnte ein Jugendlicher bei geringerem Zeitaufwand durchaus monatlich mehr Geld zur Verfügung haben als der ABM-Mitarbeiter.

Der ABM-Mitarbeiter war gemäß Arbeitsamtrichtlinien verpflichtet, sich zusätzlich zur ABM-Arbeit auf dem so genannten ersten Arbeitsmarkt zu bewerben. Als der Vorgesetzte, der die Arbeitsamtrichtlinien hätte kennen müssen, zum Vertragsende hin von den Bewerbungsbemühungen Kenntnis erlangte, ließ er dem Mitarbeiter bedeuten, dass der ABM-Vertrag nicht verlängert werde, wenn sich der Mitarbeiter weiterhin anderweitig bewerbe, aber andererseits wollte der Vorgesetzte wie bei den vorangegangenen Anfragen des Mitarbeiters eine Vertragsverlängerung nicht verbindlich zusagen – ein sehr christliches Verhalten.

Der Mitarbeiter bewarb sich weiter und fand eine andere Arbeitsstelle.

Arbeitsagentur und Logo

Das Logo der Agentur für Arbeit ist unbestreitbar genial schlicht und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Doch wie steht es – spaßeshalber betrachtet - um die Aussagekraft des Logos unter Berücksichtigung der Schreibrichtung des abstrahierten "A"?

Erst geht es aufwärts, dann abwärts und zuletzt nur noch zurück - und das Ende ist in jedem Fall eine Sackgasse. Selbst im Spiegel betrachtet oder in der Gegenrichtung wird es nicht besser, da man ganz weit runter kommt. Man muss die Arbeitsagentur schon gründlich auf den Kopf stellen und ihr den Spiegel vorhalten, damit sie mit ihrem „A” ähnlich einem Victory-”V”, das den Sieg verkünden soll, aufwärts weist.
AA-Logo Varianten

Arbeitsagentur und Meldefrist

Wer in einem befristeten Arbeitsverhältnis steht und sich bei der Arbeitsagentur nicht mindestens 3 Monate vor Ende des Arbeitsverhältnisses meldet, vermindert seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, weil er seiner Pflicht zur frühzeitigen Arbeitssuche nicht nachgekommen ist. Die lange Frist soll mehr Möglichkeiten zur Vermittlung in Arbeit und zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit schaffen.

Es gibt durchaus befristete Verträge, die sich nur über einige Wochen oder zumindest auf weniger als 3 Monate erstrecken, sodass man sich innerhalb von 3 Tagen nach Kenntnis des Vertragsendes, meist also kurz nach Vertragsunterzeichnung, bei der Arbeitsagentur melden muss.

Ich selbst hatte einen Arbeitsvertrag, der auf 3 Monate begrenzt war und erhielt im letzten der 3 Monate einen weiteren 3-Monats-Vertrag.

Da konnte ich mich gemäß Gesetz schon bei der Arbeitsagentur melden, als das vorletzte Vertragsverhältnis noch bestand, somit das neue Arbeitsverhältnis noch gar nicht begonnen hatte und mein voriger Antrag auf Arbeitslosengeld wegen Beendigung des ersten 3-Monatsvertrags noch gar nicht bearbeitet war.

Arbeitsagentur und Antragsbearbeitung Nr. 1

Ein ehemaliger ALG2-Empfänger nahm im Februar 2005 eine durch eigene Bemühungen gefundene Vollzeitstelle an und ließ der Arbeitsagentur eine entsprechende Änderungsmitteilung zukommen, sodass die ALG2-Zahlungen für ihn eingestellt wurden.

Im Juni 2005 erhielt der Berufstätige von der Arbeitsagentur die Aufforderung, einen Folgeantrag für ALG2 auszufüllen und einzureichen.

Arbeitsagentur und Antragsbearbeitung Nr. 2

Im Herbst 2004 forderte mich die Arbeitsagentur zur Antragstellung für ALG2 auf, weil ich seit Juli arbeitslos war und Arbeitslosenhilfe bezog, welche ab Januar 2005 vom ALG2 abgelöst werden sollte.

Ich erhielt erst schriftliche Aufforderungen, dann eine telefonische Aufforderung und zuletzt eine Vorladung zur Arbeitsagentur, woraufhin ich den Antrag abgab, obwohl ich zum 1. Januar 2005 eine Existenzgründung beabsichtigte und Überbrückungsgeld statt ALG2 erhalten wollte. Den Antrag auf Überbrückungsgeld konnte ich erst im November 2004 stellen und erhielt im Dezember 2004 die Auskunft, dass dies nur möglich sei, wenn ich den Antrag auf ALG2 zurückzöge, was geschah. Ich erfuhr dabei, dass die Antragsrücknahme von der Arbeitsagentur mittels handschriftlichem Vermerk vorgenommen werden müsse, da die Software einen solchen Fall nicht vorsehe.

Das Überbrückungsgeld und den dazugehörigen Bescheid erhielt ich nach mehrfacher Nachfrage Anfang Februar, also mehr als einen Monat nach der Existenzgründung, was für jemanden, der ein Existenzgründungsdarlehen beantragt hatte, hätte verhängnisvoll sein können, und was auf mich glücklicherweise nicht zutraf.

Nachdem das Überbrückungsgeld bewilligt worden war und mein ALG2-Antrag längst von mir zurückgezogen worden war, forderte mich die Arbeitsagentur im Zusammenhang mit dem Antrag auf ALG2 auf, das durch die Selbstständigkeit zu erwartende Einkommen anzugeben, da ich sonst meinen Anspruch auf ALG2 verwirken würde.

Arbeitsagentur und Antragsbearbeitung Nr. 3

Der Schritt in die Selbstständigkeit verlief nicht wie erhofft, sodass ich frühzeitig vor Ablauf der Überbrückungsgeldzahlungen ALG2 beantragte.

Erst erhielt ich die Auskunft, dass ein Folgeantrag ausreiche.

Vom nächsten Mitarbeiter der Arbeitsagentur wurde mir wenige Minuten später mitgeteilt, dass ich einen neuen Antrag auf ALG2 auszufüllen habe, was nach Verweis auf die zuvor erhaltene Auskunft und nach einem Blick in meine elektronische Akte revidiert wurde, sodass ich ein Formular für einen Folgeantrag erhielt, den ich ordnungsgemäß beim Jobcenter einreichte.

Im Jobcenter, wo dem Namen nach eigentlich ein Job zu erwarten ist, gab es zu dem Zeitpunkt keine Jobs, sondern wurden ALG2-Anträge bearbeitet.

Als ich 6 Wochen nach Einreichung meines Folgeantrags beim Jobcenter von diesem keine Antwort erhalten hatte, erkundigte ich mich nach dem Bearbeitungsstand meines Antrags.

Ich erhielt die Auskunft, dass ich statt eines Folgeantrags einen komplett neuen Erstantrag auf ALG2 stellen müsse, da ich im Zusammenhang mit dem Antrag auf Überbrückungsgeld seinerzeit den ALG2-Antrag zurückgezogen gehabt habe. So etwas erfährt man dann also erst auf telefonische Nachfrage, statt durch Hinweis des Jobcenters nach Eingang des Antrags.

Freundlicherweise vereinbarte der Sachbearbeiter für den nachfolgenden Arbeitstag einen Termin mit mir, um die Bearbeitung zu beschleunigen.

Allerdings bestand er wie der Bearbeiter ein halbes Jahr zuvor darauf, das Zusatzblatt 3 zum Vermögen auszufüllen, obwohl im Hauptformular in der Rubrik Vermögensverhältnisse steht, dass dies nötig sei, wenn man ein Mindestvermögen hat, woraus folgt, dass es nicht nötig ist, wenn man kein Mindestvermögen hat. Scheinbar hat man sich bei der Arbeitsagentur und beim Jobcenter in Hannover die Antragsformulare noch nicht richtig angeschaut oder man ist nicht ausgelastet und will sich zusätzliche Arbeit machen.

Mir war die Bearbeitung innerhalb von weniger als 1 Woche zugesagt worden. Nach 10 Tagen ohne Bescheid erkundigte ich mich telefonisch beim Bearbeiter des Antrags und bekam mitgeteilt, dass der Antrag am Vortag fertig bearbeitet worden sei und der Bescheid noch am selben Tag in die Post gehen werde.

Eine Woche später hatte ich noch immer keinen Bescheid und kein Geld erhalten und konnte den Bearbeiter telefonisch nicht erreichen, sodass ich ihn im Jobcenter aufsuchte. Der Bearbeiter war irritiert, dass ich ohne Terminvereinbarung kam und begründete die Verzögerung beim Bescheid mit einem dreitägigen Problem bei der Druckausgabe. Ich sollte mich nach dem Wochenende telefonisch bei ihm melden, wenn ich bis dahin noch keinen Bescheid erhalten habe.
Nach dem Wochenende hatte ich weder Bescheid noch Geld und telefonisch erreichte ich einen Kollegen des Bearbeiters, der mir mitteilte, dass mein Bearbeiter erst am Ende der Woche wieder zugegen sei.
Am Ende der Woche - mehr als 2 Monate nach meiner Arbeitslosmeldung und Antragstellung bzw. einen Monat nach der erneuten Antragstellung wegen amtlicher Fehlleistung - erhielt ich dann mein Geld und einen Bescheid, der fehlerhaft war und somit meinen schriftlichen Widerspruch herausforderte.

Arbeitsagentur und Antragsbearbeitung Nr. 4

Mein Antrag auf ALG2 wurde von einem Bearbeiter entgegengenommen, der meine Antragsunterlagen prüfte.

Meinen Bescheid zum ALG2 erhielt ich von einem anderen Bearbeiter. In dem Bescheid waren abweichend vom vorhergehenden Bescheid Zuschläge nicht berücksichtigt und Mietkosten trotz unveränderter Situation geringer bewilligt worden. Der Mietkostenzuschuss wurde nur als Gesamtbetrag aufgeführt, die Ermittlung des Betrags blieb das Geheimnis der Arbeitsagentur.

Ich legte gegen den Bescheid Widerspruch mit Verweis auf den vorigen Bescheid und die Nichtnachvollziehbarkeit des Mietkostenzuschusses ein und gab dazu meine Postanschrift, Telefon- und Fax-Nummer sowie meine E-Mail-Adresse an.

Nach wenigen Tagen erhielt ich von einem Bearbeiter, der ein anderer als der beim Bescheid genannte war, eine schriftliche Empfangsbestätigung, nach 3 Wochen empfing ich von einem anderen Bearbeiter des Widerspruchs ein Schreiben mit der Bitte um Anruf bei einer zentralen Rufnummer zwecks Terminvereinbarung mit dem Hinweis auf eine neue Adresse des Jobcenters.

Brauchte man meine Hilfe bei der Bearbeitung des Widerspruchs?

Hätte man mir im Schreiben nicht einen Termin vorschlagen oder sich per Telekommunikation zwecks Terminvereinbarung an mich wenden können? So musste ich über mehrere Stunden versuchen, jemanden unter der zentralen Rufnummer des Jobcenters zu erreichen, wurde dann darüber informiert, dass ein anderer Bearbeiter für mich zuständig sei und nicht der Absender des Schreibens, der um Terminvereinbarung zur Besprechung meines Widerspruchs gebeten hatte.

Der Absender des Schreibens war weder telefonisch noch per Fax unter den im Schreiben angegebenen Telekommunikationsnummern zu erreichen.

Der nun vermutlich zuständige Bearbeiter - der fünfte innerhalb von drei Wochen - lehnte eine Terminvereinbarung ab, da ihm meine Akte nicht vorlag, und stellte in Aussicht, sich telefonisch bei mir zu melden, wenn er im Besitz meiner Unterlagen sei, was dann erstaunlich schnell - am Folgetag - geschah.

Arbeitsagentur und Antragsbearbeitung Nr. 5

Empfänger von ALG2 erhalten zu dem Grundbetrag gegen Nachweis einen Zuschuss zu den Miet- und Heizungskosten. Kosten für Warmwasser und Herd werden nicht bezuschusst, sondern gegebenenfalls als Pauschalbeträge von den zu bezuschussenden Energiekosten abgezogen. Ein Pauschalbetrag für den Anteil einer Gasheizungstherme an den Stromkosten wird im Gegenzug nicht bewilligt.

Wenn das Energieversorgungsunternehmen bei der Jahresabrechnung eine Nachzahlung festlegt, verbindet es diese in der Regel mit einer Zahlungsfrist. Die angegebene Zahlungsfrist für die Nachzahlung kann nach Erhalt der Abrechnungsunterlagen zwei Wochen oder weniger betragen; die erste neue monatliche Abschlagszahlung kann zeitgleich oder bald darauf fällig sein.

Manche Energieversorger haben relativ hohe Mahnkosten festgelegt, sodass eine fristgerechte Zahlung angebracht ist, auch wenn bei Zahlungsverzug die Mahnkosten erst mit der nächsten Jahresabrechnung in Rechnung gestellt werden. Manche Energieversorger drohen bezüglich der Nachzahlung sogar mit Abschaltung der Energieversorgung bei Zahlungsverzug und lassen sich selbst bei Beträgen von mehreren hundert Euro nicht auf Ratenzahlungen ein.

Für viele ALG2-Empfänger ist es somit immens wichtig, dass sie fristgerecht zahlen können.

Wer von der Zuzahlung der Arbeitsagentur abhängig ist und keine anderen Finanzierungsmöglichkeiten hat, steht vor einem Problem, da die Arbeitsagentur mehrere Wochen – in meinem Fall knapp 6 Wochen - zur Bearbeitung eines neuen Bescheids und zur Überweisung des bewilligten Geldes benötigt.

Der Bescheid, den ich erhielt, war zudem hinsichtlich der Berechnung des Heizungskostenzuschusses wieder einmal, wie bereits einige Monate zuvor nicht nachvollziehbar, da nur der bewilligte Teilbetrag aufgeführt war, aber keine Angaben enthalten waren, wie der Betrag errechnet wurde und welche Beträge für welche Nutzungen anteilig von den Gesamtenergiekosten abgezogen wurden.

Das lässt vermuten, dass die Mitarbeiter der Arbeitsagentur nicht ausgelastet sind und auf Rückfragen, die die ALG2-Empfänger beantwortet haben möchten, warten.

Arbeitsagentur und Amtsadresse

Es war die Zeit der Veränderungen und des Durcheinanders bei Arbeitsagentur und Sozialamt. Wie in der freien Wirtschaft mussten die Mitarbeiter der beiden Institutionen für die Fehler und das Missmanagement der Leitungsebene den Kopf hinhalten. Einige Monate zuvor war für einige Bereiche das Jobcenter im Sozialamt als zuständig erklärt worden, für andere Bereiche war es weiterhin die Arbeitsagentur, und von Stadtbereich zu Stadtbereich waren die Zuständigkeiten unterschiedlich. Nun, einige Monate später, änderte das für mich zuständige Jobcenter seinen Standort und damit auch seine Adresse.

Die Antragsformulare für eine Reisekostenerstattung, die ich erhielt, waren zur Rücksendung noch mit der Adresse an die Arbeitsagentur versehen, sodass ich die Unterlagen da hin schickte.

Bei der nächsten Gelegenheit befragte ich meinen Sachbearbeiter vom Jobcenter zu der Adresse und erfuhr, dass nach den jüngsten Veränderungen das Jobcenter komplett für mich zuständig sei und ich die Unterlagen beim Jobcenter an der neuen Adresse hätte einreichen sollen. So allerdings würden meine Antragsunterlagen von der Arbeitsagentur irgendwann an das Jobcenter weitergeleitet werden.

Welche Art von Qualitätsmanagement hatte hier die reformierte Arbeitsagentur - oder ist auch dies ein Hinweis darauf, dass die Mitarbeiter nicht ausgelastet sind und darum mit behördeninternen Weiterleitungen beschäftigt werden wollen?

Arbeitsagentur und Überraschungssperre

Ein Empfänger von ALG erhielt überraschend vom Arbeitsamt ein Schreiben mit einem Einstellungs- und Rückforderungsbescheid, das heißt, ihm wurde die Sperrung seiner Leistungsbezüge und eine Rückforderung von ALG-Bezügen mitgeteilt, der Grund hingegen wurde nicht erwähnt. Auf Nachfrage gab das Arbeitsamt als Grund an, dass der ALG-Empfänger seine Adresse geändert habe ohne das Arbeitsamt darüber zu informieren. Der Einstellungs- und Rückforderungsbescheid war vom Arbeitsamt allerdings an die altbekannte Adresse geschickt worden, unter der der Empfänger angeblich nicht erreichbar war.

Ursache für Sperre und Rückforderung war die Rücksendung eines anderen Schreibens des Arbeitsamtes, das das für die Briefzustellung zuständige Unternehmen aus unerklärlichen Gründen nicht dem Empfänger zugestellt hatte, sondern an das Arbeitsamt hatte zurückgehen lassen wegen angeblicher Unzustellbarkeit.

Die Aufhebung der ungerechtfertigten Bescheide und Wiederaufnahme der ALG-Zahlungen, somit die Sicherung des Lebensunterhalts, dauerte „nur” ein paar Wochen.

Arbeitsagentur und Schriftverkehr Nr. 1

Ein Schreiben des Arbeitsamtes59 an mich begann nach der Anredezeile mit „ich möchte mit Ihnen ... sprechen. ...”. Das Schreiben enthielt keinerlei Angabe zum Verfasser, weder im Briefkopf noch bei der Abschlussgrußformel, es war auch nicht unterzeichnet, sondern endete mit der Abschlussgrußformel und den Worten „... Ihr Arbeitsamt”. Ohne Vorwarnung versandte das Arbeitsamt also neuerdings anonyme Schreiben.

Mag sein, dass es sich um eine Standard-Dokumentvorlage handelte, die ausgedruckt und versandt worden war, aber scheinbar hat sie sich niemand vor dem Versand näher angeschaut, sonst hätte es auffallen müssen, dass sich das Arbeitsamt mit „ich” bezeichnet – Ich, das Amt. Ich malte mir schon Horrorszenarien wie in Science-Fiction-Schilderungen aus, bei denen ein allmächtiger, größenwahnsinniger Computer des Arbeitsamtes alles an sich gerissen hatte und nun eigenmächtig Briefe verschickte.

Doch es stellte sich heraus, dass es sich stattdessen um schlechten Stil bei einem amtlichen Schreiben gehandelt hatte.

Ist das weniger beunruhigend als ein eigenmächtiger Computer? Denn auch nach der Umbenennung in Agentur für Arbeit änderte sich das Schreiben60 nur dahin gehend, dass es am Ende hieß „Ihre Agentur für Arbeit”, aber das Schreiben weiterhin mit „ich möchte mit Ihnen sprechen” eingeleitet wurde und weiterhin keine Person als Verfasser des Schreibens benannt wurde.

Arbeitsagentur und Schriftverkehr Nr. 2

Ein Schreiben der Arbeitsagentur erreichte mich an einem Samstag, ein anderes an einem Freitag, beide jeweils 9 Tage nachdem sie verfasst worden waren. Interessanterweise war kein Poststempel mit Datumsangabe auf dem Umschlag vorhanden, sondern nur ein Freimachungsaufdruck. Glücklicherweise waren die in den Schreiben vorgegebenen Fristen ausreichend bemessen, sodass ich fristgerecht reagieren konnte.

Wäre die Frist jedoch kürzer als der 9-tägige Postweg zuzüglich der 2 Wochenendtage bei Erhalt gewesen, hätte ich schwerlich nachweisen können, dass die Frist ohne mein Verschulden verstrichen sei, und hätte ich möglicherweise eine Sperre bei meinen ALG-Bezügen erhalten.

Die Dauer des Postwegs wurde im Mai 2006 übertroffen, als ich nach einem am 09. Mai abgegebenen Antrag einen Bescheid vom 12. Mai ohne Poststempel am 30. Mai zugestellt bekam.

Erhalten die Schreiben und Bescheide das Datum eines Tages, an dem ein Antrag erstmals bearbeitet wird, auch wenn das Schriftstück erst Wochen oder Monate später fertiggestellt und versendet wird?

Arbeitsagentur und Stellenvermittlung

Es war wieder einmal an der Zeit mich bei der Arbeitsagentur arbeitslos zu melden. Die Meldung verlief schnell, die Weitervermittlung an einen Berater dauerte länger.

Der Berater suchte mit seinem Rechner für mich nach offenen Architektenstellen, erst im Raum Hannover, dann bundesweit. Erst erhielt er als Ergebnis nichts und hatte so etwas bereits erwartet; dann erhielt er als Ergebnis wieder nichts und meinte: „Das gibt’s doch gar nicht.”.

Anschließend veränderte er die Einstellungen für die Suche, erhielt zahlreiche Ergebnisse und fragte mich von Ergebnis zu Ergebnis klickend, ob ich mich darauf bewerben könne.

Von Ergebnis zu Ergebnis musste ich die Frage mit Nein beantworten, weil es sich um offene Stellen für Hardware- und Software-Architekten, also Fachleute im IT-Bereich, handelte, deren spezielle Programmierkenntnisse ich nicht aufzuweisen hatte.

Das Unwissen des Beraters lässt sich vielleicht damit erklären, dass bei der Arbeitsagentur in Hannover zu der Zeit die Berater für bestimmte Anfangsbuchstaben von Nachnamen der Arbeitsuchenden zuständig waren statt für bestimmte Berufszweige.

Nachdem ich dem Berater der Arbeitsagentur zweimal den unterschiedlichen Gebrauch für die Bezeichnung Architekt erläutert hatte, hatte er es wohl verstanden.

Wer berät hier wen? Warum wird der Berater und werde nicht ich für die Beratung bezahlt?

Arbeitsagentur und 1-€-Job Testphase

Im Jahr 2004 gab es im Vorlauf zu den Veränderungen bei der Arbeitsagentur und beim Sozialgesetzbuch II in Hannover eine Projektphase bezüglich so genannter 1-€-Jobs, wobei in der Projektphase - wie sich später herausstellte - die Ablehnung einer solchen Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung offiziell noch nicht mit Sanktionen verbunden war.

Ich war kurz zuvor arbeitslos geworden, mein vom Vorjahr verbliebener Restanspruch auf Arbeitslosengeld war zu Ende gegangen, der letzte Job genügte nicht, um einen neuen Anspruch auf Arbeitslosengeld zu erwirken, sodass ich seit kurzem Arbeitslosenhilfe erhielt.

Prompt erhielt ich ein Schreiben von der Arbeitsagentur mit der Bitte um Antwort, ob ich bereit sei, eine der im Vordruck aufgeführten Tätigkeiten als Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung auszuführen.

Leider waren keine Tätigkeiten, sondern nur 6 Arbeitsbereiche angegeben, wovon kein Bereich einem meiner 3 Berufsfelder entsprach.

Des Weiteren stellten sich für mich in diesem Zusammenhang zahlreiche Fragen, die ich der Arbeitsagentur mit der Bitte um Beantwortung zusandte, da es mir ansonsten nicht möglich war ihre Anfrage zu beantworten. Die Antworten ist mir die Arbeitsagentur bis heute schuldig geblieben.

Nachfolgend ein Teil der Fragen:

Arbeitsagentur und geförderte Fortbildung

Fort- oder Weiterbildungsmaßnahmen, die vom Arbeitsamt gefördert wurden, waren vielfach in Verruf geraten. Für meine Weiterbildung im IT-Bereich hatte ich zwei Anbieter in die engere Wahl genommen und mich für den vermeintlich besseren entschieden, der sich im Nachhinein als besonders miserabel entpuppte, sodass Lernwillige, die etwas für ihre berufliche Zukunft tun wollten, viel Eigeninitiative zu Hause und zusätzliche Stunden, auch nachts, investieren mussten.

Eigentlich hätte es nur stichprobenartiger Visiten durch das Arbeitsamt beim Weiterbildungsanbieter bedurft, um wenigstens einen Teil der Missstände wahrzunehmen und die Förderung in Frage zu stellen.

Am Ende hatte ich die Prüfungen bestanden, der Weiterbildungsanbieter war mit seinem Insolvenzverfahren beschäftigt und es fehlte nur noch das IHK-Zertifikat für den erfolgreichen Abschluss.

Der Weiterbildungsanbieter hatte mit den Geldern, die ihm das Arbeitsamt für unsere Teilnahme an seiner Weiterbildungsmaßnahme gezahlt hatte, auch die Kostenerstattung für unsere IHK-Zertifikate erhalten gehabt, den entsprechenden Teilbetrag allerdings nicht an die IHK weitergeleitet, die sich daraufhin weigerte, uns die Zertifikate auszustellen, weil sie die ihr entstehenden Kosten nicht gedeckt sah. Das Arbeitsamt wurde von einigen Teilnehmern über die Situation informiert, ließ aber kein wesentliches Interesse daran erkennen, dass wir zum Zwecke von Bewerbungen unsere Zertifikate erhalten. Nachdem einige von uns Teilnehmern dem Weiterbildungsanbieter per Einschreiben eine Frist gesetzt sowie mit Anwälten und mit Klage gedroht hatten, erhielten wir von der IHK mit leichter Verzögerung unsere Zertifikate.

Arbeitsmoral

Hin und wieder sorgen Arbeitnehmer für Überraschungen.
Man begibt sich in einen Laden, um etwas zu kaufen. Man bemerkt, dass der Verkäufer einen Telefonhörer am Ohr hält. Man wird dennoch nicht erst gebeten zu warten. Man wird vom Verkäufer hinter dem Tresen bedient, ohne dass er dafür das Telefongespräch beendet - scheinbar ein wichtiges Dienstgespräch, vielleicht gar mit dem Chef, und gleichzeitig Kundenservice. Prima Sache. Nun ja, hier und da hapert es mit der Kommunikation zwischen Kunde und Verkäufer, zumindest beim Verkäufer, aber der Dienst am Kunden wird weiter erbracht. Man erhascht erst ein paar Wortfetzen, dann ganze Sätze und ist dann fassungslos: Der Verkäufer führt ein privates Telefongespräch.

Chef mit Herz

Ich war gerade erst eine Stunde bei der Arbeit, als meine Freundin mich dort anrief, weil ihr junger Kater nicht aufzufinden sei und vermutlich erstmals außerhalb der Wohnung im Großstadtdschungel unterwegs sei.

Nun hieß es, den Chef, in dessen Ingenieurbüro ich erst seit kurzem arbeitete, um eine Arbeitsunterbrechung zu bitten, um bei der Katersuche behilflich sein und Katzenjammer vermeiden zu können.

Der Chef gestattete die Arbeitsunterbrechung, der junge Kater wurde von meiner Freundin und mir glücklicherweise bald aufgefunden, die Welt war wieder in Ordnung, ich war nach zwei Stunden wieder an meinem Arbeitsplatz und habe seitdem eine nette Erinnerung an meinen damaligen Chef mit Herz.